Depotrendite richtig berechnen: geldgewichtet oder zeitgewichtet
Stand: 26. Oktober 2026
Oft wird die Depotrendite so berechnet: Gewinn geteilt durch das eingezahlte Geld. Das stimmt, solange du einmal anlegst und danach nichts mehr bewegst. Sobald du nachkaufst, einen Sparplan laufen hast oder Geld entnimmst, kommen zwei andere Maße ins Spiel: die zeitgewichtete Rendite (englisch TWR) und die geldgewichtete Rendite (interner Zinsfuß, IZF; in Tabellenkalkulationen XIRR; englisch MWR oder MWRR). Beide sind richtig gerechnet, beantworten aber verschiedene Fragen und liefern deshalb verschiedene Zahlen. Diese Seite zeigt den Unterschied an einem Rechenbeispiel, ordnet jedem Maß seine Frage zu und beschreibt, was foliologic. dir anzeigt.
Depotrendite berechnen: warum „Gewinn durch Einzahlungen“ nicht reicht
Die einfache Rechnung lautet: (Depotwert − Einzahlungen) ÷ Einzahlungen. Sie sagt dir, wie viel von deinem eingezahlten Geld dazugekommen oder verloren gegangen ist. Als Rendite taugt sie nur eingeschränkt:
- Sie kennt keine Zeit. Ein Euro, der seit zehn Jahren im Depot liegt, zählt wie einer, der seit letzter Woche dort liegt. Ein Wert wie „+14 %“ lässt offen, ob er für ein Jahr gilt oder für zehn, und lässt sich mit keiner Jahresrendite vergleichen.
- Sie ändert sich mit jeder Zahlung. Hast du 10.000 € eingezahlt und 2.000 € Gewinn (+20 %) und legst dann 10.000 € nach, sinkt der Wert auf +10 %, ohne dass sich ein Kurs bewegt hat.
- Sie trennt nicht, woher das Ergebnis kommt. Ob die Anlage gut lief oder ob du zufällig zu einem günstigen oder ungünstigen Zeitpunkt Geld nachgelegt hast, steckt in derselben Zahl.
Die beiden folgenden Maße trennen genau das auf, jedes auf seine Weise.
Zeitgewichtete Rendite (TWR): was die Anlage geleistet hat
Bei der zeitgewichteten Rendite teilst du den Zeitraum an jeder Ein- oder Auszahlung in Abschnitte. Für jeden Abschnitt rechnest du die Rendite auf den Wert an seinem Beginn (einschließlich der Zahlung, die gerade hineingegangen ist) und verkettest die Ergebnisse:
TWR = (1 + r1) · (1 + r2) · … · (1 + rn) − 1
Eine Zahlung ist dabei weder Gewinn noch Verlust. Sie ändert nur die Basis des nächsten Abschnitts. Deshalb hängt das Ergebnis nicht davon ab, wie viel Geld du wann bewegt hast: Die Zahl beschreibt die Anlage, nicht dein Timing. Fonds und Indizes weisen ihre Wertentwicklung in dieser Form aus, und so lässt sich dein Depot mit einem Fonds oder einem Index vergleichen.
Der Preis dafür: Du brauchst den Depotwert zu jedem Zahlungstermin. Ist er nicht bekannt, bleibt eine Näherung, etwa mit Monatswerten.
Geldgewichtete Rendite (IZF): was dein Geld verdient hat
Die geldgewichtete Rendite fragt anders: Mit welchem gleichbleibenden Jahreszins hätte dein Geld wachsen müssen, damit aus deinen Einzahlungen zu ihren Terminen genau der heutige Depotwert wird? Dieser Zinssatz ist der interne Zinsfuß (IZF). Formal ist es der Satz r, bei dem die Zahlungen samt Endwert, auf den ersten Termin abgezinst, null ergeben:
0 = Σ Zahlung / (1 + r)t (Einzahlungen negativ, Entnahmen und Endwert positiv, t in Jahren seit der ersten Zahlung)
Eine geschlossene Formel gibt es dafür im Allgemeinen nicht; man löst die Gleichung numerisch. Tabellenkalkulationen bieten dafür die Funktion XIRR, in deutschsprachigen Excel-Versionen heißt sie XINTZINSFUSS. Weil jede Zahlung mit Betrag und Datum eingeht, zählt Geld, das lange oder in großer Summe im Depot war, mehr. Die Zahl enthält deshalb auch dein Timing: Wer vor einem Rückgang viel nachkauft, kommt auf einen niedrigeren IZF als jemand, der dieselbe Anlage erst nach dem Rückgang aufstockt.
Das ist die passende Zahl für die Frage: Was hat mein Geld pro Jahr gebracht, so wie ich es eingezahlt habe?
Rechenbeispiel: dieselbe zeitgewichtete Rendite, zwei geldgewichtete Ergebnisse
Anleger A erlebt im ersten Jahr +20 %, im zweiten −10 %. Anleger B erlebt die beiden Jahre in umgekehrter Reihenfolge: −10 %, dann +20 %. Beide zahlen zu Beginn 10.000 € ein und kaufen nach einem Jahr für weitere 10.000 € nach. Die Zahlen sind erfunden; Gebühren, Steuern und Dividenden bleiben außen vor.
| Zeitpunkt | Anleger A | Anleger B |
|---|---|---|
| Start, Einzahlung 10.000 € | 10.000 € | 10.000 € |
| Ende Jahr 1 | 12.000 € (+20 %) | 9.000 € (−10 %) |
| nach dem Nachkauf von 10.000 € | 22.000 € | 19.000 € |
| Ende Jahr 2 | 19.800 € (−10 %) | 22.800 € (+20 %) |
| Eingezahlt insgesamt | 20.000 € | 20.000 € |
| Ergebnis in Euro | −200 € | +2.800 € |
Drei Maße im Vergleich:
| Rechnung | Anleger A | Anleger B |
|---|---|---|
| Gewinn ÷ Einzahlungen, über zwei Jahre | −1,0 % | +14,0 % |
| Zeitgewichtet (TWR), über zwei Jahre | +8,0 % | +8,0 % |
| Zeitgewichtet (TWR), pro Jahr | +3,9 % p.a. | +3,9 % p.a. |
| Geldgewichtet (IZF), pro Jahr | −0,7 % p.a. | +9,1 % p.a. |
Zeitgewichtet. Bei A bringt der erste Abschnitt 12.000 ÷ 10.000 = 1,20, der zweite 19.800 ÷ 22.000 = 0,90. Verkettet ergibt das 1,20 × 0,90 = 1,08, also +8,0 %. Bei B ist es 0,90 × 1,20 = 1,08, dasselbe Ergebnis: Der Nachkauf ändert die Basis des zweiten Abschnitts, nicht die Rendite. Pro Jahr sind das 1,08½ − 1, gerundet 3,9 %.
Geldgewichtet. Bei A fließen 10.000 € zu Beginn und 10.000 € nach einem Jahr hinein, nach zwei Jahren stehen 19.800 € im Depot. Mit x = 1 + r muss gelten: 10.000 · x2 + 10.000 · x = 19.800, also x2 + x − 1,98 = 0. Das ergibt x ≈ 0,9933, also r ≈ −0,67 %, gerundet −0,7 % pro Jahr. Bei B lautet die Gleichung x2 + x = 2,28 mit x ≈ 1,0906, also +9,1 % pro Jahr.
Warum die Zahlen auseinanderlaufen. Die zeitgewichtete Rendite gewichtet beide Jahre gleich, egal wie viel Geld darin arbeitet: +20 % und −10 % ergeben +8 %, genau wie bei einer einzigen Einzahlung von 10.000 €, die zwei Jahre liegen bleibt und 10.800 € wird. Die geldgewichtete Rendite gewichtet nach Geld. Bei A arbeiten im Verlustjahr 22.000 € statt 10.000 €: Der Verlust des zweiten Jahres beträgt 2.200 €, der Gewinn des ersten nur 2.000 €, am Ende fehlen 200 €. Bei B ist es umgekehrt: Das Minus des ersten Jahres trifft 10.000 € (−1.000 €), das Plus des zweiten Jahres arbeitet auf 19.000 € (+3.800 €). Die zeitgewichtete Rendite ist in beiden Fällen gleich; der Abstand zwischen −0,7 % und +9,1 % pro Jahr kommt aus dem Zeitpunkt der zweiten Einzahlung.
Die einfache Rechnung. Sie behandelt die 10.000 €, die zwei Jahre im Depot waren, wie die 10.000 €, die nur ein Jahr dort waren, und nennt keinen Zeitraum, auf den sich die Prozente beziehen. Mit einer Jahresrendite oder einem Index lässt sie sich deshalb nicht vergleichen.
Welche Rendite beantwortet welche Frage?
| Deine Frage | Passendes Maß | Warum |
|---|---|---|
| Wie hat sich meine Anlage entwickelt, und wie liegt sie im Vergleich zu einem Fonds oder Index? | zeitgewichtet (TWR) | Zahlungen verfälschen den Vergleich nicht; Fonds und Indizes weisen ihre Wertentwicklung so aus. |
| Was hat mein Geld pro Jahr gebracht, mit meinen Einzahlungen und Entnahmen zu ihren Terminen? | geldgewichtet (IZF) | Beträge und Zeitpunkte gehen ein; dein Timing steckt in der Zahl. |
| Wie viel ist von dem, was ich eingezahlt habe, dazugekommen oder verloren gegangen? | Gewinn in Euro | Beantwortet nur diese Frage und nennt keinen Zeitraum. |
Beide Maße nebeneinander zu lesen, ist aufschlussreich: Liegt der IZF deutlich unter der TWR, ist überwiegend vor schwächeren Phasen Geld hinzugekommen; liegt er darüber, überwiegend vor stärkeren. Das beschreibt die Vergangenheit. Ein Hinweis darauf, was kommt, steckt darin nicht.
Beide Rechnungen sind nur so gut wie die Buchungen dahinter: Fehlt ein Kauf, ein Verkauf oder ein Datum, verschiebt sich die Zahl. Gebühren, Steuern und Dividenden gehören in beide Maße oder in keins; prüfe bei jeder Zahl, ob sie vor oder nach Kosten und Steuern gerechnet ist.
Gesamtrendite oder pro Jahr: die Annualisierung
Eine Rendite über mehrere Jahre rechnest du nicht durch Teilen auf ein Jahr um, sondern mit der Wurzel, weil sich Renditen verzinsen:
Rendite pro Jahr = (1 + Gesamtrendite)1 ÷ Jahre − 1
+8,0 % über zwei Jahre sind 1,08½ − 1, gerundet 3,9 % pro Jahr, nicht 4,0 %. Umgekehrt ergeben 3,9 % pro Jahr über zwei Jahre wieder rund +8 %.
Der IZF ist von Haus aus ein Jahreswert. Du musst ihn nicht umrechnen und solltest ihn nicht durch die Jahre teilen. Die TWR gibt es in beiden Formen; achte darauf, welche gemeint ist. Unter einem Jahr ist die Hochrechnung eine Rechenregel, keine Aussage: +5,0 % in zwei Monaten entsprächen hochgerechnet +34,0 % pro Jahr, also sechs solchen Zeiträumen hintereinander.
Vergleiche nur Gleiches mit Gleichem: Gesamtwert mit Gesamtwert, pro Jahr mit pro Jahr, derselbe Zeitraum, dieselbe Währung, auf beiden Seiten vor oder auf beiden Seiten nach Kosten und Steuern.
So zeigt foliologic. die Rendite
foliologic. rechnet beide Maße aus den Buchungen und dem Wertverlauf deines Depots und zeigt sie nebeneinander. Beide gehören zu jedem Plan, auch zu Free.
- Zeitgewichtet. Auf der Portfolio-Seite schaltest du den Chart im Reiter „Verlauf“ von Euro auf Prozent um. Die Prozentansicht ist die zeitgewichtete Rendite des gewählten Zeitraums; ein Hinweis beim Chart erklärt sie. In der Übersicht steht sie im Widget „Rendite“ als „Rendite (TWR, …)“ mit dem gewählten Zeitraum in der Klammer. foliologic. zeigt sie für diesen Zeitraum und nicht auf ein Jahr hochgerechnet. Gerechnet wird über Tageswerte: Käufe und Verkäufe zählen als Zahlungen, nicht als Gewinn oder Verlust, und Tage, für die sich kein Wert belegen lässt, fließen nicht ein.
- Geldgewichtet. „Rendite (geldgewichtet)“ steht im Kopf der Portfolio-Seite und im Widget „Rendite“ der Übersicht, als Prozentwert pro Jahr. foliologic. löst die Gleichung des IZF numerisch (XIRR) aus deinen erfassten Käufen und Verkäufen mit ihren Daten und dem heutigen Wert deiner Wertpapiere. Beginnt der erfasste Verlauf nach deinem ersten Kauf, geht der Wert zu seinem Beginn als Einzahlung ein; die Zahl gilt dann für den erfassten Zeitraum. Positionen ohne Kaufhistorie rechnet foliologic. ab ihrem ersten erfassten Wert ein und weist das aus.
- Daneben. Das Widget „Rendite“ zeigt auch den Portfoliowert und „Netto investiert“ (Käufe minus Verkäufe), also die Beträge hinter den Prozenten.
- Wo es nicht geht. Macht ein Depotübertrag ohne gebuchten Wert oder eine Buchung ohne lesbares Datum die Zahlungsreihe unbrauchbar, zeigt foliologic. bei der geldgewichteten Rendite „—“ und keine Schätzung.
Die Renditen sind nur so vollständig wie die Buchungen, die foliologic. kennt. Sie sind keine Anlageberatung und sagen nichts über künftige Wertentwicklung.
Häufige Fragen
Wie berechne ich die Depotrendite, wenn ich Geld nachlege oder entnehme?
Es kommt auf die Frage an. Willst du wissen, was dein Geld pro Jahr gebracht hat, rechnest du die geldgewichtete Rendite: Du trägst jede Einzahlung mit ihrem Datum als negative Zahl ein, jede Entnahme und den heutigen Depotwert als positive Zahl, und lässt den internen Zinsfuß berechnen (Funktion XIRR, in deutschsprachigen Excel-Versionen XINTZINSFUSS). Willst du die Entwicklung der Anlage selbst wissen, verkettest du die Renditen der Zeitabschnitte zwischen den Zahlungen zur zeitgewichteten Rendite. „Gewinn durch Einzahlungen“ nennt keinen Zeitraum und bleibt ein grober Anhaltspunkt.
Was ist der Unterschied zwischen zeitgewichteter und geldgewichteter Rendite?
Die zeitgewichtete Rendite (TWR) verkettet die Renditen der Zeitabschnitte zwischen deinen Zahlungen und blendet damit aus, wann und wie viel du ein- oder ausgezahlt hast. Sie beschreibt die Anlage und eignet sich für den Vergleich mit einem Fonds oder einem Index. Die geldgewichtete Rendite (interner Zinsfuß, IZF) gewichtet Beträge und Zeitpunkte deiner Zahlungen und beschreibt, was dein Geld pro Jahr verdient hat, einschließlich der Wirkung deines Timings. Im Rechenbeispiel dieser Seite ergeben dieselben Kurse +8,0 % zeitgewichtet über zwei Jahre und −0,7 % pro Jahr geldgewichtet.
Welche Rendite passt zu meinem Sparplan?
Beide, je nach Frage. Die geldgewichtete Rendite beantwortet, was deine regelmäßigen Einzahlungen pro Jahr gebracht haben, weil sie berücksichtigt, dass spätere Raten kürzer im Depot waren. Die zeitgewichtete Rendite beantwortet, wie sich die Anlage entwickelt hat, und passt für den Vergleich mit einem Index. „Gewinn durch Einzahlungen“ ist bei einem Sparplan schwer zu deuten: Die späten Raten stehen voll im Nenner, obwohl sie kaum Zeit zum Wirken hatten.
Wie rechne ich eine Rendite auf ein Jahr um?
Mit der Wurzel, nicht durch Teilen: Rendite pro Jahr = (1 + Gesamtrendite) hoch (1 ÷ Jahre) − 1. Aus +8,0 % über zwei Jahre werden (1,08) hoch ½ − 1, gerundet 3,9 % pro Jahr, nicht 4,0 %. Der interne Zinsfuß ist bereits ein Jahreswert und wird nicht umgerechnet. Bei Zeiträumen unter einem Jahr ist die Hochrechnung eine Rechenregel; sie sagt wenig darüber, was im Rest des Jahres geschieht.
Zeigt foliologic. die zeitgewichtete und die geldgewichtete Rendite?
Ja, beide, in jedem Plan, auch in Free. Die zeitgewichtete Rendite zeigt foliologic. für den gewählten Zeitraum: im Chart der Portfolio-Seite (Ansicht in Prozent) und im Widget „Rendite“ der Übersicht. Die geldgewichtete Rendite steht als Prozentwert pro Jahr auf der Portfolio-Seite und im Widget „Rendite“. Beide beruhen auf den Buchungen, die foliologic. kennt; wo die Rechnung nicht möglich ist, steht „—“ statt einer Schätzung.
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