Der Health Score — und warum er manchmal gar keine Zahl zeigt
Stand: 11. September 2026
Jede Aktie in foliologic. bekommt einen Health Score zwischen 0 und 100 — oder keinen. Diese Seite erklärt, wie er entsteht, welche Kennzahlen hineinfließen, wann wir ihn zurückhalten und was er nicht kann.
Was der Health Score bewertet
Der Health Score bewertet das Unternehmen hinter der Aktie: wie es verdient, ob es wächst, wie es finanziert ist, wie viel Geld tatsächlich übrig bleibt, wie gut es sich gegen Wettbewerb behaupten kann — und wie es aktuell bewertet ist.
Er ist eine Zusammenfassung öffentlich gemeldeter Kennzahlen, keine Prognose und keine Empfehlung. Er sagt nichts darüber, ob eine Aktie steigen oder fallen wird.
Die sechs Dimensionen
Der Score setzt sich aus sechs Dimensionen zusammen. Jede wird getrennt bewertet und bekommt eine von drei Farben: grün, gold oder rot.
1. Profitabilität Nettomarge, Eigenkapitalrendite (ROE), Kapitalrendite (ROIC) und Bruttomarge. Die Frage dahinter: Bleibt von dem, was das Unternehmen umsetzt, etwas übrig — und verdient es genug auf das eingesetzte Kapital?
2. Wachstum Umsatzwachstum im Jahresvergleich. Eine einzelne Kennzahl, branchenabhängig bewertet: Was für einen Softwareanbieter Stillstand ist, ist für einen Versorger normal.
3. Wettbewerbsvorteil Bruttomarge, ROIC und ROE — jeweils an strengeren Schwellen gemessen als in der Profitabilität — plus die Frage, ob der Umsatz über zwei Jahre konstant gewachsen ist. Dauerhaft hohe Kapitalrenditen sind das beste beobachtbare Anzeichen dafür, dass ein Unternehmen etwas kann, was andere nicht ohne Weiteres kopieren.
4. Bilanz Verschuldungsgrad (Debt/Equity) und Current Ratio, also das Verhältnis von Umlaufvermögen zu kurzfristigen Verbindlichkeiten. Die Frage: Übersteht das Unternehmen ein schlechtes Jahr, ohne sich Geld leihen zu müssen?
5. Cash-Generierung Freier Cashflow, freier Cashflow im Verhältnis zum Umsatz und operativer Cashflow. Gewinn ist eine Meinung, Cashflow ist ein Kontostand — deshalb bekommt er eine eigene Dimension und wird nicht in die Profitabilität eingerechnet.
6. Bewertung Forward-KGV als primäre Kennzahl, dazu KGV, EV/EBITDA und PEG. Diese Dimension bewertet nicht das Unternehmen, sondern den Preis, den der Markt dafür verlangt.
Wie aus Kennzahlen eine Farbe wird
Innerhalb einer Dimension bekommt jede vorhandene Kennzahl Punkte — 2, 1 oder 0 — je nachdem, ob sie ihre grüne, ihre goldene oder keine Marke erreicht. Der Durchschnitt dieser Punkte entscheidet die Farbe der Dimension: ab 1,5 grün, ab 0,8 gold, darunter rot. Beim Wettbewerbsvorteil liegen die Marken etwas höher, bei 1,6 und 0,9 — ein dauerhafter Vorteil soll nicht aus einer einzelnen starken Kennzahl folgen.
Fehlende Kennzahlen werden nicht als null gewertet, sondern weggelassen; deshalb gibt es pro Dimension die Mindestzahl an Eingangswerten weiter unten.
Wie aus sechs Farben eine Zahl wird
Jede Dimension bekommt Punkte: grün 2, gold 1, rot 0. Der Durchschnitt der sechs Dimensionswerte wird mit 50 multipliziert.
Score = Durchschnitt(sechs Dimensionswerte) × 50
Sechsmal grün ergibt 100. Sechsmal gold ergibt 50. Sechsmal rot ergibt 0. Alle sechs Dimensionen zählen gleich viel — es gibt keine Gewichtung, die eine schwache Bilanz durch starkes Wachstum ausgleicht.
Die Grau-Regel: wann es keinen Score gibt
Eine Dimension gilt als grau, wenn zu wenige ihrer Eingangswerte vorliegen. Wie viele nötig sind, ist pro Dimension festgelegt:
| Dimension | Mindestens nötige Eingangswerte |
|---|---|
| Profitabilität | 2 |
| Wachstum | 1 (Einzelkennzahl) |
| Wettbewerbsvorteil | 2 |
| Bilanz | 1 |
| Cash-Generierung | 1 |
| Bewertung | 2 |
Und dann gilt die Regel, um die es hier eigentlich geht:
Ist auch nur eine der sechs Dimensionen grau, zeigen wir keinen Health Score.
Nicht „fünf von sechs". Nicht einen Durchschnitt aus den vorhandenen Werten. Nicht eine Schätzung. Einen Strich.
Warum ein Strich und kein Durchschnitt
Eine Zahl, die aus fünf gemessenen Werten und einer Annahme besteht, sieht genauso aus wie eine Zahl aus sechs gemessenen Werten. Der Unterschied ist von außen unsichtbar — und er ist genau das, was du eigentlich wissen willst.
Deshalb ist das bei uns keine Richtlinie, sondern Architektur: Die Bewertungslogik gibt in diesem Fall nichts zurück. Es gibt im Produkt keine Stelle, die einen Wert lesen könnte, den die Bewertung verweigert hat, und keinen Pfad, auf dem aus einem Strich später doch eine Zahl wird.
Der Preis dafür ist, dass wir in Vergleichen schlechter dastehen: Wo andere Werkzeuge eine Zahl zeigen, zeigen wir manchmal nichts. Wir halten das für den ehrlicheren Fehler.
Finanzwerte: ausgenommen statt rot gewertet
Bei Banken und Versicherern sind mehrere Standardkennzahlen entweder nicht definiert oder nicht sinnvoll vergleichbar. Eine Bank hat keine Bruttomarge im üblichen Sinn, ihr operativer Cashflow spiegelt Einlagen- und Kreditbewegungen wider und schwankt um Milliardenbeträge, ohne etwas über die Qualität des Geschäfts zu sagen.
Wir schließen die Bruttomarge und EV/EBITDA bei Finanzwerten aus der Bewertung aus, statt sie rot zu werten. Der Wettbewerbsvorteil wird dann aus Kapitalrendite, Eigenkapitalrendite und Umsatzkonstanz gebildet, die Bewertung ohne EV/EBITDA. Der operative Cashflow wird nur bei Instituten von Bilanzgröße ersetzt — durch den Nettogewinn, wie auf der Schwellenwerte-Seite beschrieben. Eine Bank, die kein EBITDA meldet, ist keine schlechte Bank — sie ist eine Bank.
Was der Health Score nicht kann
Das gehört auf dieselbe Seite wie die Methode, nicht in eine Fußnote.
- Er ist überwiegend rückwärtsgewandt. Fünf der sechs Dimensionen messen, was berichtet wurde. Nur die Bewertungsdimension schaut über das Forward-KGV nach vorn.
- Er kennt nur, was in Zahlen steht. Management, Produktpipeline, anstehende Regulierung, ein einzelner Großkunde, von dem die Hälfte des Umsatzes abhängt — davon sieht er nichts.
- Er ist branchenkalibriert, aber nicht unternehmensindividuell. Ein Turnaround-Jahr sieht in den Zahlen aus wie ein schlechtes Jahr, weil es eines ist.
- Er übernimmt Fehler aus den Quelldaten. Ist eine Kennzahl beim Datenanbieter falsch, ist die betroffene Dimension falsch. Wir prüfen auf Plausibilität, aber wir erheben die Daten nicht selbst.
- Schwellen sind Stufen, keine Kurven. Knapp verfehlt und deutlich verfehlt sehen in der Farbe gleich aus.
- Kein Analyst prüft einzelne Ausgaben vor der Veröffentlichung. Der Score wird automatisiert berechnet.
- Er sagt nichts über den Kurs und ist kein Signal, etwas zu kaufen oder zu verkaufen.
Woher die Schwellenwerte kommen, an denen grün, gold und rot entschieden werden, steht auf einer eigenen Seite: Woher unsere Schwellenwerte kommen.