Woher unsere Schwellenwerte kommen

Stand: 11. September 2026

Der Health Score entscheidet für jede Kennzahl, ob sie grün, gold oder rot ist. Diese Seite legt offen, woher die Grenzen dafür stammen, warum sie nach Branchen getrennt sind, und an welcher Stelle die Methode schwach ist.


Das Problem

Eine Nettomarge von 4 Prozent ist für einen Lebensmittelhändler ein gutes Jahr und für einen Softwareanbieter ein Alarmsignal. Ein Verschuldungsgrad, der eine Bank völlig unauffällig aussehen lässt, wäre bei einem Maschinenbauer ein Grund zur Sorge.

Wer feste Grenzen über alle Branchen legt, bekommt ein vorhersagbares Ergebnis: Software und Pharma leuchten grün, Handel und Versorger leuchten rot, und die Bewertung sagt mehr über die Branche aus als über das Unternehmen.


Die Quelle

Unsere Schwellen sind an den Sektordaten von Aswath Damodaran (NYU Stern), Ausgabe Januar 2026, kalibriert. Der Datensatz umfasst rund 6.000 börsennotierte US-Unternehmen in 94 Branchen und wird jährlich im Januar öffentlich veröffentlicht.

Wir haben ihn aus drei Gründen gewählt: Er ist frei zugänglich, er ist nachprüfbar, und er wird seit Jahrzehnten nach derselben Methode fortgeschrieben. Jeder kann die Zahlen, an denen wir uns orientieren, selbst nachlesen.

Bei den Energie-Margen haben wir zusätzlich an den tatsächlichen Kennzahlen der Branche geeicht, weil der Sektorschnitt dort stark von den Rohstoffpreisen des jeweiligen Jahres abhängt.


94 Branchen, fünf Gruppen

Wir bilden nicht alle 94 Branchen ab, sondern fassen sie zu fünf Gruppen plus einer Standardgruppe zusammen:

Technologie (Software, Halbleiter, IT) · Finanzwerte (Banken, Versicherer, Finanzdienstleister, REITs) · Gesundheit (Pharma, Biotech, Medizintechnik) · Handel und Konsum · Energie und Versorger · Standard (alles Übrige: Industrie, Rohstoffe, Kommunikation und weitere)

Der Grund ist Ehrlichkeit über die Datenlage: 94 Gruppen erzeugen Untergruppen, die so klein sind, dass ein einzelnes Unternehmen den Median verschiebt. Sechs Gruppen sind grob, aber stabil.


Unsere Schwellen sind absolute Marken, keine Perzentile

Das ist der Punkt, an dem wir am ehesten missverstanden werden, deshalb ausdrücklich: Grün heißt bei uns nicht „besser als der Branchendurchschnitt".

Die Damodaran-Daten sagen uns, in welcher Größenordnung eine Branche arbeitet. Die Schwelle selbst ist danach eine feste Marke — und die liegt bei den Margen teils unter dem Branchenmedian, weil einzelne Branchenmediane sehr hoch sind, und bei den Bewertungskennzahlen deutlich unter dem Markt:

Damodaran-Median, Jan. 2026 Unsere Grün-Schwelle
Nettomarge Technologie rund 15–20 % 18 %
Nettomarge Finanzwerte (Großbanken) 28,89 % 22 %
Nettomarge Gesamtmarkt rund 17 % 10 % (Standardgruppe)
Eigenkapitalrendite Gesamtmarkt 17,21 % 15 % (alle Gruppen)
Kurs-Gewinn-Verhältnis S&P 500 (nachlaufend) rund 24 Forward-KGV 18 (Standardgruppe)

Bei den Bewertungskennzahlen ist die Marke also spürbar strenger als der Markt, in dem sie angewendet wird. Das ist Absicht: Der Datensatz vom Januar 2026 zeigt einen teuren Markt, und eine Schwelle, die mit dem Marktniveau mitwandert, würde in jeder Blase nachgeben.


Die Schwellen im Einzelnen

Grün ist die obere Marke, gold die mittlere, alles darunter ist rot.

Profitabilität

Nettomarge Grün ab Gold ab
Technologie 18 % 8 %
Finanzwerte 22 % 12 %
Gesundheit 12 % 5 %
Handel und Konsum 5 % 2 %
Energie und Versorger 10 % 4 %
Standard 10 % 4 %
Kennzahl Grün ab Gold ab
Eigenkapitalrendite (ROE), alle Gruppen 15 % 8 %
Kapitalrendite (ROIC), alle Gruppen 12 % 6 %
Bruttomarge Grün ab Gold ab
Technologie 55 % 35 %
Handel und Konsum 25 % 15 %
Energie und Versorger 25 % 12 %
Standard 40 % 25 %
Finanzwerte wird nicht bewertet

Die Energie-Marken sind niedriger als der Standard, weil Rohstoff-Durchlaufumsätze die Bruttomarge strukturell drücken: An der Standardmarke von 40 % scheiterten die besten Betreiber der Branche — geeicht an den tatsächlichen Werten der großen Konzerne (16 bis 30 %).

Wachstum

Umsatzwachstum im Jahresvergleich.

Gruppe Grün über Gold über
Technologie 12 % 3 %
Finanzwerte 6 % 1 %
Handel und Konsum 4 % 1 %
Energie und Versorger 6 % 1 %
Standard 7 % 2 %

Wettbewerbsvorteil

Dieselben Kennzahlen wie in der Profitabilität, aber an strengeren Marken — ein Unternehmen kann profitabel sein, ohne einen dauerhaften Vorteil zu haben.

Kennzahl Grün ab Gold ab
Bruttomarge Technologie 60 % 40 %
Bruttomarge Handel und Konsum 30 % 18 %
Bruttomarge Energie und Versorger 28 % 15 %
Bruttomarge Standard 45 % 28 %
Kapitalrendite (ROIC) 15 % 8 %
Eigenkapitalrendite (ROE) 20 % 12 %
Umsatzkonstanz zwei Jahre in Folge gewachsen ein Jahr gewachsen

Bilanz

Kennzahl Grün Gold Rot
Verschuldungsgrad, Standard bis 0,8 bis 1,8 über 1,8
Verschuldungsgrad, Finanzwerte bis 6 bis 12 über 12
Verschuldungsgrad, Energie / Handel bis 1,2 bis 2,5 über 2,5
Current Ratio ab 2,0 ab 1,0 unter 1,0

Cash-Generierung

Bedingung Bewertung
Freier Cashflow positiv und mindestens 12 % vom Umsatz grün
Freier Cashflow positiv, aber unter 12 % vom Umsatz gold
Freier Cashflow negativ rot
Operativer Cashflow positiv grün
Operativer Cashflow negativ rot

Bewertung

Kennzahl Grün bis Gold bis
Forward-KGV Technologie 25 38
Forward-KGV Gesundheit 20 30
Forward-KGV Finanzwerte 13 18
Forward-KGV Standard 18 26
KGV Technologie 30 45
KGV Gesundheit 25 38
KGV Finanzwerte 16 22
KGV Standard 22 32
EV/EBITDA 10 16
PEG 1,0 1,8

Ein negatives Multiple ist rot, nie grün. Ein KGV unter null heißt nicht „billig", sondern Verlust — die Kennzahl fällt dann durch, statt als besonders günstig zu zählen.


Banken werden ausgenommen, nicht bestraft

Bruttomarge und EBITDA sind bei Banken und Versicherern entweder nicht definiert oder nicht vergleichbar — eine Bank weist keine Bruttomarge im üblichen Sinn aus, und EBITDA ist für ein Institut, dessen Geschäft aus Zinsen besteht, keine sinnvolle Größe. Der einfache Weg wäre, sie als fehlend zu werten und damit rot — das Ergebnis wäre, dass jede Bank in unserem Universum schlecht aussieht, aus einem Grund, der nichts mit der Bank zu tun hat.

Wir nehmen genau diese beiden Kennzahlen bei Finanzwerten aus der Bewertung heraus. Der Wettbewerbsvorteil wird dann aus Kapitalrendite, Eigenkapitalrendite und Umsatzkonstanz gebildet, die Bewertung ohne EV/EBITDA. Kapitalrendite und Eigenkapitalrendite zählen bei Finanzwerten wie überall — sie sind für eine Bank definiert und vergleichbar.

Der operative Cashflow ist ein Sonderfall: Bei Instituten von Bilanzgröße (operativer Cashflow über 50 Milliarden, in beide Richtungen) spiegelt er Einlagen- und Kreditbewegungen wider und sagt nichts über das Geschäft. Dort ersetzt der Nettogewinn die Cash-Dimension: Gewinn mit einer Nettomarge ab 20 % ist grün, Gewinn darunter gold, Verlust rot. Kleinere Finanzwerte laufen durch die normale Cash-Dimension.

Bleiben danach zu wenige Eingangswerte übrig, ist die Dimension grau — und dann gibt es für diese Aktie gar keinen Score. Das ist so gewollt.


Was an dieser Methode schwach ist

Was wir dagegen tun

Wir ziehen die Schwellen mit der nächsten Damodaran-Ausgabe im Januar 2027 nach und prüfen bis dahin, ob sich für die europäischen Sektorgruppen eine belastbare Vergleichsgrundlage findet. Wenn ja, steht die Änderung hier — mit Datum und mit dem Hinweis, was sich gegenüber heute verschoben hat.

Wie aus den Farben ein Score wird und wann wir keinen zeigen, steht auf der Seite Der Health Score.